Postum

Noch bis Ende des 19.Jahrhunderts fand mein Grab Erwähnung im Bayreuther Fremdenführer, wurde jedoch im Jahre 1901 aufgelassen und ist seitdem nicht mehr auffindbar. Ob heute überhaupt noch jemand kommen würde, um meiner zu gedenken? Womit hätte ich solche Aufmerksamkeit überhaupt verdient? Ich war doch nur eine Verwandte. Ihm, Wolfgang Amadé Mozart allein gehört alle Ehre und Erinnerung. Aber auch sein Grab ist verschollen. Wir beide sind letztlich ohne Nachkommen geblieben, seine sowohl als auch meine Linie der Mozartischen Sippe ist ausgestorben. Unsterblich hingegen bleibt seine einzigartige, unerreicht schöne, uns alle verzaubernde Musik.


Karoline Grau geb. Mozart
Und wer ist diese freundliche Dame hier? Schaut mal genau hin - fällt Euch etwas auf? Richtig, sie hat tatsächlich die Mozartische Nase und Augenbrauen. Und ist niemand Geringere als meine Ururgroßnichte Karoline Grau, geb. Mozart, die Ururenkelin unseres Vetters Michael Cölestin, im frischen Alter von 70 Jahren. Diese gewisse Ähnlichkeit mit mir ist in der Tat verblüffend. Wie ist das möglich, nach so vielen Generationen? Nun, so könnt Ihr Euch jetzt wenigstens vom alten Bäsle ein annäherndes Bild machen. Sie und ich teilen nicht nur den Aspekt der Ähnlichkeit, sondern auch den Geburtstag. 1884 geboren, leider kinderlos geblieben, starb mit ihr die letzte Augsburger Blutsverwandte von Wolfgang und mir achtzigjährig im Jahre 1965.




Gedenktafel an der Postei In den 1960er Jahren beschloss die Deutsche Mozart-Gesellschaft unter ihrem Präsidenten Herrn Dr.Wegele, an meiner letzten Wohnung in der alten Bayreuther Postei, eine Gedenktafel an - jawohl! - an mich anzubringen und enthüllte sie in einer kleinen Feierstunde am 6.Februar 1965. Siehe linke Seite. Als wäre dieses nicht schon Auszeichnung genug, wurde am 10.November 1991 eine weitere enthüllt, dieses Mal am Haupteingang des Stadtfriedhofes, Ihr seht sie hier links unten, und am Abend - stellt Euch das doch nur mal vor! - am Abend wurde zu meinen Ehren, selbstredend auch zu Wolfgangs, sein letztes Werk, das grandiose Requiem, in der Schlosskirche aufgeführt. Eine ungeheure Honneurs - 150 Jahre nach meinem Tod. Herr Dr.Wegele übrigens erwies mir auch die Ehre, ein kleines Büchlein über meinen bescheidenen Lebenslauf zu verfassen, wieder veröffentlicht 2004 durch Frau Dr. Martha Schad.


Gedenktafel am Friedhof Die Postei in Bayreuth steht also noch, auch wenn das Innenleben infolge Bombardierung nach dem Zweiten Weltkrieg neu gestaltet wurde. In Augsburg vernichteten die Bomber am 22. Februar 1944, ausgerechnet am Geburtstag meiner Tochter, meine kleine Welt des St.Josephi-Seminars in der Jesuitengasse, meine Wohnung, meine Wurzeln. Die Kirche von Heilig Kreuz erlitt schwerste Schäden, und selbst der Dom, der zwar weitgehend verschont blieb, ist nicht mehr derselbe wie zu meiner Zeit, als er innen noch vollständig barockisiert war. Das unzerstörte "Mozarthaus" in der Frauentorstraße 30 hat mit mir übrigens nichts zu tun; es ist in erster Linie eine Gedenkstätte für meinen Onkel Leopold, der dort eher zufällig geboren wurde. Ein Haus jedoch ist erhalten: Frauentorstraße 4, die Residenz des Domkapitulars und Vize-Dekans Dr. Freiherr von Reibeld. Aber das hat mit mir auch nicht sehr viel zu tun. Oder doch?



Und nun hört, was sich jüngst Erstaunliches ereignete.

Im Jahr 2008, zu Ehren meines 250. Geburtstages ist in Kaufbeuren etwas sehr Bemerkenswertes geschehen. Auf Initiative der lieben Stadträtin, Frau Helga Ilgenfritz hin hat die Stadt, in der ich die kürzeste Zeitspanne meines langen Lebens verbrachte, eine Gedenktafel anbringen lassen. Exakt an meinem Geburtstag und natürlich am ehemaligen Posthaus am Salzmarkt 5, diesem wunderschönen, gottlob unzerstörten Haus, im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit Musik und Vortrag in Anwesenheit etlicher Honoratioren. Sogar das Bayerische Fernsehen war da. Wenn die gute Frau Konditormeister wüsste, dass noch zudem als i-Tüpfle unsere Kutschfahrt von 1812 nach Marktoberdorf nachgestellt wurde!


Erinnerungstafel Augsburg
Im vorletzten Jahr, man mag es kaum glauben, hat sich schlussendlich auch meine Heimatstadt, in der ich manch bittere Stunde verlebte, meiner erinnert. Hier war es die bereits erwähnte Historikerin und Autorin, Frau Dr. Martha Schad, die die Ausgburgische Stadtverwaltung dazu bewegen konnte, das vormals unrühmliche Mozart-Bäsle mit einer kunstvollen Bronzetafel zu ehren. Das Feierstündle fand erneut an meinem Geburtstag bei schönstem Wetter mit sehr gelungenen Musik- und Wortbeiträgen statt, zunächst im Hofgarten. Eine reizende junge Dame in zauberhaftem historischen Gewand verkörperte meine Wenigkeit, bevor anschließend unter Teilnahme zahlreicher Ehrengäste und braver BürgerInnen an dem neuen Altenstift-Komplex an der Jesuitengasse 24, in dessen Nähe bis 1944 mein Wohnhaus stand, die Plakette enthüllt wurde.



Meine lieben Freunde, ja, ich bin gerührt. Es bewegt mich sehr, nach so vielen Jahrzehnten, gar zwei Jahrhunderten auf so vielfache Weise geehrt zu werden. Was Wolferl wohl dazu sagen würde?

"Siehst, mein süßes Bäsle-Häsle, alle haben dich gern!"


Vergelt's euch Gott, ihr guten Leut!





Erste Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Brigg Verlages Augsburg






Hier endet nun meine Geschichte. Und ich hoffe, Euch ein wenig unterhalten zu haben, so dass Ihr mich etwas besser kennenlernen konntet, und " 's Bäsle" für Wolfgang Mozarts Verehrer nun nicht länger nur die Empfängerin der ungewöhnlichsten Briefe in der Musikgeschichte ist, ansonsten aber eine Unbekannte, gell?!

Nochmals meinen herzlichen Dank für Euren Besuch. Bitte denkt noch an mein Gästebuch!


De tout mon cœur,

Eure Marianne Mozartin






Meine Geschichte beruht zum großen Teil auf sorgfältiger Recherche,
aber auch das Recht auf dichterische Freiheit nahm meine Autorin für sich in Anspruch.
Für weitergehende Fragen zögert bitte nicht, mich anzuschreiben.


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Ganz herzlich danken möchte ich meinem lieben Freund Frank
für seine unschätzbare Unterstützung bei der Realisierung meiner Website.


Mozart Magic Award
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