Ein letztes Wiedersehen

Am 1.Mai 1780 fand mit "Die verstellte Gärtnerin", die deutsche Version von "La Finta Giardiniera", die erste Augsburger Aufführung einer Oper Wolfgangs statt und wurde im Theater am Lauterlech, dem Komödienstadl, begeistert gefeiert, denn "du liabs Herrgeddle - ja! Dies'r Mozart isch ja schließlich a halb'r Augschburger!"

Der Gasthof 'Weisses Lamm', rechts Zwei volle Jahre dauerte es, bis ich diesen Mozart wiedersah, was für mich verflixt nicht leicht war. Er hatte in München gerade seine neueste Oper "Idomeneo" geschrieben, sehr erfolgreich uraufgeführt und mit Vater und Schwester noch den Fasching mitgemacht, bevor uns alle drei am 7.März 1781 mit einem dreitägigen Besuch beehrten. Logis nahmen sie wieder im "Weißen Lamm" (rechts im Bild). Gewiss, es wurde die halbe Nacht erzählt und auch gelacht, dennoch war es nicht mehr so wie früher. Ich war glücklich und war es doch nicht, war befangen - kein Wunder - und eine bittere Wehmut schlich sich in mein Herz. Sie besuchten auch wieder ihre Freunde im Stift Heilig Kreuz, wo Wolfgang und Nannerl gemeinsam auf zwei Pianoforte zur größten Begeisterung der Patres spielten. Es war das letzte Mal, dass ich sie alle sah, alle drei. Bei ihrer Abreise - Onkel und Base nach Salzburg, mon Cousin nach Wien - da war es mir erneut schrecklich weh ums Herz. Ich hatte ihn halt immer noch sehr lieb, würde ihn immer lieben.

Es dauerte nicht lange, und ich begann allerlei Geschichten und Klatsch über Wolfgang zu hören: Sein Bruch mit dem Erzbischof, er wohne bereits in der elterlichen Wohnung seiner neuen Liebsten, lauter solche Sachen. In diesem Zusammenhang hörte ich auch zum ersten Mal von der Sängerin Aloysia Weber und begann zu ahnen, was für ein Spielchen er mit mir in München getrieben hatte. Hatte ich am Ende etwa seine Trauzeugin werden sollen?! War das die "große Rolle", die er mir zugedacht hatte? Ach so! Und da sie ihn abwies, musste nun sein Bäsle herhalten, als zweite Wahl sozusagen. Da platzte mir der Kragen, so gedemütigt hatte ich mich noch nie gefühlt. Seine Antwort auf meinen Brief fiel ziemlich unwirsch aus, er wollte mich obendrein noch als Laufbursche für diese Weberischen einspannen. Nun schlug's dreizehn! Das war entschieden zu viel. Und dann, ja und dann habe ich ihm nicht mehr geantwortet. Es ging einfach nicht. Unsere Freundschaft war zu Ende. Ich habe ihn nie mehr wiedergesehen.



© copyright 2001-2017 Susanne M. Scholze. All rights reserved.
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Brigg Verlages Augsburg

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