Das Leben geht weiter

Das Theater am Lauterlech, oder der 'Komödienstadl' Ein gebrochenes Herz braucht bekanntlich sehr lange, um heilen zu können, und bei mir war das nicht anders. Nur allmählich kehrte meine Lebensfreude zurück. Eine willkommene Ablenkung, wie auch Abwechslung, in mein Alltagsleben brachten die gastierenden Wandertheater. Die lustigsten Komödien wurden im Theater am Lauterlech gespielt - siehe Bild - an denen ich einen Heidenspaß hatte. Der Humor war zwar oft ein wenig derb und eher ein- als zweideutig, aber so war das eben damals. Das prüde Zeitalter sollte erst noch kommen. Durch Wolfgangs passable Beziehungen zu Herrn Böhm erhielt ich zu dessen Aufführungen eine Dauerfreikarte, die ich an der Kassa nur zu gern mit einem Grinsen vorzeigte. Auch ein gewisser Herr Schikaneder gab mit seinem Ensemble regelmäßig Gastspiele, na, Ihr kennt ihn sicher. Nein, eine sauertöpfische Stubenhockerin bin ich zum Glück nicht geworden. Ha! Ich war jung! Und meine Freundinnen nannten mich bald wieder einen Flädrewisch oder gar eine Lombegrott, und der alljährliche, berühmt-berüchtigte Fasching mit Tanzen, Singen und Gaudi war so recht nach meinem Gusto. Auch konnte ich nicht über einen Mangel an Verehrern klagen.

Mein Weg von daheim durch die Kohlergasse zum Stift Heilig Kreuz Aber da gab es auch noch das Stift Heilig Kreuz und seine sonntäglichen Hochämter, die immer mit vollbesetztem Orchester zelebriert wurden, was damals in den Städten allgemein üblich war. Nie ließ ich mir eine von Wolfgangs Messen, Litaneien oder Vespern entgehen, derer es im Laufe der Jahre immer mehr wurden. Als Beweise seiner Freundschaft zu Prälat Christa und dessen Nachfolger Prälat Zöschinger ermöglichte mein Vetter dem Stift Abschriften eines beträchtlichen Teiles seiner sakralen Werke bis hin zur Großen Messe. Diese Kopien sind bis heute erhalten und gehören vermutlich zu den kostbarsten weltlichen Besitztümern der Kirche. Damals, so kann ich wohl behaupten, gab es mit Ausnahme des Salzburger Domes in der Welt kein weiteres Gotteshaus, das Wolfgang Amadé Mozarts Kirchenmusik so regelmäßig aufführte wie die Kirche der Augustiner Chorherren zu Heilig Kreuz in Augsburg, und dies sogar noch lange nach der Säkularisation von 1802. So schmerzlich die dadurch hervorgerufenen Erinnerungen an meinen geliebten Cousin auch jedes Mal waren, so war ich doch glücklich und dankbar, seine himmlische Musik so oft hören zu dürfen.



© copyright 2001-2017 Susanne M. Scholze. All rights reserved.
Erste Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Brigg Verlages Augsburg

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